Neodym-Magnete, auch als NdFeB-Magnete bezeichnet, sind die stärksten Permanentmagnete der Welt. Sie kommen in vielen Alltagsprodukten zum Einsatz, darunter Lautsprecher, Motoren, Elektroautos, Computerfestplatten und Windkraftanlagen. Ihre Herstellung ist anspruchsvoll, da sie wissenschaftliche Verfahren, hohe Temperaturen und präzise Technik miteinander verbindet. In diesem Artikel betrachten wir daher den interessanten Herstellungsprozess dieser Magnete. (Verwandter Beitrag: Was ist ein Neodym-Magnet?)

Wie werden Neodym-Magnete hergestellt?
Die Herstellung eines Neodym-Magneten erfolgt in den folgenden Schritten.
Schritt 1: Seltenerdmetalle abbauen
Der Prozess beginnt tief unter der Erde. Neodym ist ein Seltenerdelement, das häufig in Mineralen wie Bastnäsit und Monazit sowie meist zusammen mit anderen Seltenerdelementen wie Praseodym und Cer vorkommt.
Das Erz wird abgebaut und zerkleinert. Anschließend wird durch chemische Behandlung Neodymoxid (Nd₂O₃) gewonnen. Zur Abtrennung von reinem Neodym und anderen Elementen erfolgt die Raffination mittels Lösungsmittelextraktion und Ionenaustausch.
Da der überwiegende Teil des Neodyms in China abgebaut und raffiniert wird, kontrolliert das Land die weltweite Magnetproduktion. Das gewonnene Oxid ist der Hauptbestandteil der leistungsstarken Legierung, aus der Neodym-Magnete hergestellt werden.

Schritt 2: Schmelzen
Anschließend wird Neodymoxid mit Eisen (Fe) und Bor (B) gemischt – den drei Elementen, aus denen die Nd₂Fe₁₄B -Verbindung besteht. Diese Bestandteile werden in einem Vakuuminduktionsofen zusammengeschmolzen, um ihre Oxidation zu verhindern.
Bei einer Temperatur von über 1 300 °C entsteht eine homogene Schmelze. Die Legierung wird aufgeschmolzen und anschließend rasch zu Blöcken oder Flocken abgekühlt. Sie bildet die Grundlage für den späteren leistungsstarken Magnetwerkstoff.
Schritt 3: Mahlen
Anschließend wird die feste Legierung in Strahlmühlen oder Kugelmühlen zu feinem Pulver vermahlen. Dieser Schritt ist wichtig, da die magnetischen Eigenschaften durch ultrafeine Partikel geeigneter Größe bestimmt werden, deren Abmessungen üblicherweise nur wenige Mikrometer betragen.
Das Mahlen erfolgt unter Luftausschluss, da Neodympulver schnell mit Luft oder Feuchtigkeit reagiert. Das dabei entstehende Pulver ist optimal für das Pressen und Formgeben im nächsten Schritt geeignet.
Schritt 4: Pressen
Das feine Pulver wird durch Pressen in Form gebracht. Während des Pressvorgangs legen die Hersteller üblicherweise ein Magnetfeld an, um die kleinen Partikel in einer einheitlichen Richtung auszurichten. Dadurch lassen sich die spätere Anziehung und Abstoßung des Magneten festlegen.
Zwei Verfahren sind üblich:
Gesenkpressen: Dabei wird das Pulver in einer Richtung gegen ein Formwerkzeug gepresst.
Isostatisches Pressen: Der Druck wirkt gleichmäßig aus allen Richtungen, um eine homogenere Dichte zu erzielen.
Nach dem Pressen nimmt der Magnet eine unsichtbare, aber dennoch sichtbare Form an, die als Grünling bezeichnet wird. Er weist noch eine geringe Festigkeit auf, ist jedoch für das Sintern vorbereitet.

Schritt 5: Sintern
Das Sintern ist einer der entscheidendsten Prozessschritte. Die Grünlinge werden in einem Vakuumofen auf etwa 1 000–1 100 °C erhitzt. Bei dieser Temperatur verbinden sich die Partikel miteinander, ohne zu schmelzen, und bilden einen dichten, festen Block.
Dadurch werden Festigkeit, Härte und Stabilität des Magneten erhöht. Dieser Prozess verbessert die Festigkeit, Härte und Stabilität des Magneten. Nach dem Sintern weist der Magnet ein gleichmäßiges Gefüge auf, und seine Dichte steigt bis nahe an das theoretische Maximum. Die Nd₂Fe₁₄B-Kristallphase ist nun vollständig ausgebildet – sie ist die Hauptursache für die hohe Anziehungskraft des Magneten.
Schritt 6: Glühen
Anschließend werden die Magnete geglüht, d. h. erneut auf etwa 500–600 °C und anschließend allmählich abkühlen gelassen.
Das Glühen dient außerdem dazu, den Magnetismus zu verbessern. Dadurch werden die Magnete unempfindlicher gegenüber Entmagnetisierung und Temperaturschwankungen. Ohne diesen Schritt kann bereits ein geringes Maß an Spannung oder Wärme den Magneten brechen oder schwächen.
Schritt 7: Bearbeitung
Die gesinterten Magnete werden nach dem Abkühlen mit diamantbeschichteten Schleifmaschinen oder durch Drahterodieren (elektrische Funkenerosion, EDM) in ihre endgültige Form gebracht.
Da Neodym-Magnete extrem hart, aber zugleich spröde sind, können sie nicht mit herkömmlichen Werkzeugen geschnitten werden. Bei der Bearbeitung ist sorgfältig vorzugehen, um Rissbildung oder eine Überhitzung des bearbeiteten Teils zu vermeiden und eine Verringerung der magnetischen Stärke zu verhindern.
In diesem Bearbeitungsschritt werden die Magnete entsprechend ihrer späteren Verwendung in gängige Formen wie Scheiben, Ringe oder Blöcke gebracht.
Schritt 8: Beschichtung
Neodym-Magnete sind leistungsstark, aber auch empfindlich – sie korrodieren leicht. Zu ihrem Schutz werden sie durch Beschichtungen aus Nickel, Kupfer, Zink, Gold oder Epoxid geschützt.
Am häufigsten wird die Beschichtung Ni-Cu-Ni (Nickel-Kupfer-Nickel) verwendet, da sie eine ausgezeichnete Korrosionsbeständigkeit und eine glatte Oberfläche bietet. Die Beschichtung kann durch Galvanisieren oder E-Poxy-Spritzbeschichtung aufgebracht werden.
Diese Beschichtung bildet eine Schutzbarriere und verhindert, dass der Magnet nass wird oder oxidiert, sodass er länger funktionsfähig bleibt.
Schritt 9: Magnetisieren
Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Magnete noch nicht magnetisch. Sie müssen mit einem sehr starken elektromagnetischen Impuls magnetisiert werden.
Der Magnet wird in eine Spule eingesetzt, und ein Strom hoher Intensität (jedoch kurzer Dauer) erzeugt ein Magnetfeld (etwa 3–5 Tesla). Diese Ausrichtung zwingt die magnetischen Domänen im Magneten, sich in eine Richtung auszurichten, und bleibt erhalten, wodurch der Magnet seine magnetische Stärke erhält.
Nach der Magnetisierung wird er auf Gleichmäßigkeit, Magnetstärke und Magnetisierungsrichtung geprüft und anschließend verpackt.
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Welche Materialien werden zur Herstellung von Neodym-Magneten verwendet?
Neodym-Magnete bestehen hauptsächlich aus Neodym, Eisen und Bor, enthalten jedoch häufig Spurenelemente zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit:
• Neodym (Nd): Das für das Grundgefüge wesentliche Element, das für hohe magnetische Eigenschaften sorgt.
• Eisen (Fe): Verleiht Struktur und sorgt für Haltbarkeit.
• Bor (B): Unterstützt die Bildung der kristallinen Verbindung Nd₂Fe₁₄B.
• Dysprosium (Dy) oder Terbium (Tb): Wird gelegentlich verwendet, um die Hitzebeständigkeit zu erhöhen.
• Schutzbeschichtungen: Nickel, Zink oder Epoxid verhindern Korrosion.
Die Kombination all dieser Bestandteile schafft ein optimales Gleichgewicht aus Stärke, Stabilität und Beständigkeit.

Wie werden Seltenerdmagnete hergestellt?
Andere Seltenerdmagnete wie Neodym- und Samarium-Kobalt-Magnete werden auf dieselbe Weise hergestellt: Schmelzen, Mahlen, Pressen, Sintern und Magnetisieren.
Der wesentliche Unterschied liegt in ihrem Werkstoffgefüge und ihrem thermischen Verhalten. Neodym-Magnete sind stärker, reagieren jedoch empfindlicher auf Wärme, während Samarium-Kobalt-Magnete bei höheren Temperaturen bessere Leistungen erbringen.
Beide Typen erfordern eine präzise Kontrolle jedes einzelnen Prozessschritts, um maximale Stärke und Gleichmäßigkeit zu erzielen.
Wie funktioniert das Sintern bei der Magnetherstellung?
Beim Sintern handelt es sich um einen Diffusionsprozess: Die feinen Pulverpartikel werden erwärmt, bis sie miteinander verschmelzen. Durch die Wärme bewegen sich Atome über die Grenzen zwischen den Partikeln hinweg, schließen die Zwischenräume und bilden ein festes und dichtes Material.
Dies geschieht unter Vakuum, um Oxidation zu vermeiden. Das Ergebnis ist ein leistungsfähiger, kleiner und stabiler Magnet. Ohne Sintern wäre das Material nicht fest genug gewesen, um die Energie eines Magneten zu speichern, und wäre porös geblieben.
Wie werden Neodym-Magnete magnetisiert?
Der Magnetisierungsvorgang findet in einer speziellen Magnetisierungsspule statt. Ein kurzer und intensiver Magnetisierungsimpuls richtet die inneren Domänen des Magneten aus.
Bei korrekter Ausrichtung bleibt der Magnet in diesem Zustand, sofern er nicht extrem hohen Temperaturen oder einem starken Gegenmagnetfeld ausgesetzt wird. In diesem Prozess erhält der Magnet seine starke und dauerhafte Anziehungskraft.
Wie werden Neodym-Magnete beschichtet oder galvanisch beschichtet?
Beschichtungen schützen Neodym-Magnete vor Korrosion. Zu den üblichen Beschichtungen gehören:
Nickel-Kupfer-Nickel (Ni-Cu-Ni): Sorgt für eine glänzende und langlebige Oberfläche.
Verzinkung: Sie bietet einen mittleren Schutz und hat ein bläuliches Aussehen.
Epoxidbeschichtung: Für feuchte Bedingungen geeignet.
Vergoldung: Sie eignet sich für dekorative oder medizinische Anwendungen, da sie biokompatibel ist.
Jede Beschichtung wird entweder galvanisch oder durch Sprühen aufgebracht und gewährleistet, dass der Magnet mehrere Jahre rostfrei bleibt.
Welche Maschinen werden bei der Magnetherstellung eingesetzt?
Für die Herstellung von Magneten werden hochpräzise Industriemaschinen eingesetzt, darunter:
- Vakuumöfen zum Schmelzen von Legierungen.
- Mahlen in Strahl- oder Kugelmühlen.
- Hydraulische Pressen zum Verdichten von Pulver.
- Öfen für Sinter- und Bindungsprozesse.
- Glühöfen zum Spannungsabbau.
- Die Formgebung erfolgt auf Diamantschleifmaschinen und Funkenerosionsmaschinen.
- Mehrere Galvanikanlagen für Beschichtungen.
- Magnetisierungsspulen zum Aufmagnetisieren fertiger Magnete
Alle Maschinen erfüllen unterschiedliche Funktionen, um Prozesskonstanz und Qualität sicherzustellen.
Welche Faktoren beeinflussen die Qualität von Neodym-Magneten?
Die Stärke und Qualität von Neodym-Magneten hängen von mehreren wichtigen Faktoren ab:
- Materialreinheit: Selbst geringe Verunreinigungen können die Leistung des Magneten beeinträchtigen.
- Partikelgröße: Feinere Partikel mit gleichmäßiger Größe erzeugen stärkere und dichtere Magnete.
- Sinterprozesskontrolle: Wenn Temperatur oder Zeitvorgabe nicht stimmen, kann der Magnet Risse bekommen oder an Stärke verlieren.
- Zusammensetzungsverhältnis: Das richtige Verhältnis von Neodym, Eisen und Bor bestimmt die Magnetgüte und die Leistungsfähigkeit des Magneten.
- Beschichtungsqualität: Eine starke, gleichmäßige Beschichtung verhindert Korrosion und verlängert die Lebensdauer des Magneten.
- Magnetisierungsstärke: Ein starkes Magnetfeld stellt sicher, dass der Magnet vollständig magnetisiert wird.
Jeder Schritt erfordert größte Sorgfalt, damit Magnete entstehen, die hohen Qualitätsstandards entsprechen.
Zusammenfassung
Neodym-Magnete entstehen durch Präzision, Wärme und Chemie – vom Abbau Seltener Erden über das Pressen, Sintern, Galvanisieren und Magnetisieren. Jede einzelne Phase macht aus Rohstoffen eine der stärksten Kräfte der modernen Technik. Unsere Geräte, Autos und Systeme für erneuerbare Energien können ohne diese Magnete nicht funktionieren – ein Beleg dafür, dass eine kleine Menge Metall eine Welt voller Leistung ermöglichen kann.
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Häufig gestellte Fragen
Sind Neodym-Magnete umweltfreundlich?
Nicht vollständig. Der Abbau und die Aufbereitung Seltener Erden verursachen Umweltverschmutzung, doch moderne Recycling- und umweltfreundlichere Aufbereitungsverfahren verringern die Umweltbelastung.
Wie werden Seltenerdmetalle bei der Magnetherstellung recycelt?
Alte oder fehlerhafte Magnete werden entmagnetisiert und chemisch aufbereitet, um Seltenerdmetalle zurückzugewinnen, die zur Herstellung neuer Magnete wiederverwendet werden.
Wie lässt sich die Stärke eines Neodym-Magneten erhöhen?
Verwenden Sie hochwertige Legierungen, fügen Sie kleine Mengen Dysprosium hinzu, verbessern Sie das Sintern und stellen Sie eine korrekte magnetische Ausrichtung sicher.
Ben — Osenc
Ben verfügt über mehr als 10 Jahre Erfahrung in der Permanentmagnetindustrie und arbeitet seit 2019 mit Osenc zusammen. Sein Schwerpunkt liegt auf kundenspezifischen NdFeB-Magneten, magnetischem Zubehör und Magnetbaugruppen.
Er unterstützt Kunden dabei, Anforderungen an Werkstoff, Beschichtung, Magnetisierung, Prüfung und Produktion eindeutig festzulegen. Dadurch werden Missverständnisse in der Kommunikation und unnötige Iterationen bei der Musterfertigung reduziert.


