Zu den stärksten Permanentmagneten zählen Neodym-Magnete (NdFeB), die in Motoren, Sensoren und Werkzeugen eingesetzt werden. Ihre hohe Stärke hat jedoch einen Nachteil: Sie rosten leicht. Da sie porös sind und viel Eisen enthalten, oxidieren sie bei Kontakt mit Luft oder Wasser schnell. Wer versteht, wie Rost entsteht, kann Korrosion leichter verhindern und die Lebensdauer der Magnete verlängern.

Warum können NdFeB-Magnete rosten?
Neodym-Magnete reagieren sehr empfindlich auf Feuchtigkeit und Sauerstoff. Ohne Schutzbeschichtung setzt die Korrosion rasch ein und beeinträchtigt die Oberfläche sowie die magnetische Stärke.
Woraus bestehen Neodym-Magnete? (Nd-Fe-B-Kern + poröse Mikrostruktur)
Der Kern und die Mikrostruktur sind porös (Nd-Fe-B-Kern + poröse Mikrostruktur). Diese Magnete bestehen aus Neodym, Eisen und Bor und weisen aufgrund des Sinterprozesses Poren auf. Kleinste Risse halten Feuchtigkeit zurück, sodass bei unbeschichteten Magneten Korrosion im Inneren entsteht.
Eisengehalt und Porosität als Ursachen = Korrosionsrisiko ohne Schutz?
Feuchtigkeit reagiert schnell mit dem Eisen, während die Poren des Magneten das Eindringen der Feuchtigkeit ermöglichen. Dies führt zu Lochfraß und Abplatzungen. Unbeschichtete NdFeB-Magnete sind daher besonders in feuchten oder maritimen Umgebungen sehr korrosionsanfällig.
Schwächt Rost einen Magneten?
Ja. Rost schwächt einen Neodym-Magneten unmittelbar, da er dessen Oberfläche beschädigt und die magnetische Wirkung verringert. Korrosion verkürzt die Lebensdauer und mindert die Leistung im Laufe der Zeit.
Entmagnetisierung an der Oberfläche und Verlust des nutzbaren magnetischen Flusses

Rost stört den gleichmäßigen Verlauf der magnetischen Flusslinien und verursacht eine lokale Entmagnetisierung. In den betroffenen Bereichen nimmt zunächst die Abreißkraft ab, wodurch sich die gesamte Feldstärke und Effizienz verringern – insbesondere bei Präzisionsanwendungen wie Sensoren oder Motoren.
Wann sind Korrosionsschäden reversibel und wann irreversibel?
Rost im Anfangsstadium lässt sich mitunter entfernen und stabilisieren. Sobald die Korrosion jedoch die Körner des Magnetwerkstoffs erreicht, ist der Verlust dauerhaft. Die Struktur verändert sich, sodass eine vollständige Remagnetisierung nicht mehr möglich ist und nur noch ein Austausch infrage kommt.
Häufige Korrosionsauslöser
Neodym-Magnete sind sehr reaktiv und können bei Feuchtigkeit, Salz oder ungünstigen Witterungsbedingungen leicht rosten. Die Kenntnis dieser Korrosionsauslöser hilft bei der Auswahl geeigneter Beschichtungen und Wartungsverfahren.
Salzwasser und Umgebungen mit hoher Chloridbelastung
Neodym-Magnete korrodieren leicht, wenn sie giftigem Salzwasser oder Luft mit hohem Chloridgehalt ausgesetzt sind. Chloridionen greifen die Schutzbeschichtung an, dringen bis zur Metalloberfläche vor und verursachen dort Oxidation.
HHohe Luftfeuchtigkeit, Schweiß und Kondensationszyklen
Magnete, die regnerischen Witterungsbedingungen ausgesetzt sind oder mit nassen Händen berührt werden, sind dauerhaft feucht. Wiederholte Kondensations- und Trocknungszyklen fördern die Rostbildung an Kanten oder Mikrorissen, selbst unter Schutzschichten.
Wärme und Feuchtigkeit (beschleunigte Oxidation)
Bei gleichzeitigem Auftreten von Wärme und Feuchtigkeit wird die Oxidation erheblich beschleunigt. Hohe Temperaturen verursachen Poren in der Beschichtung, durch die Sauerstoff und Wasserdampf zum Metallkern gelangen und die Korrosion verstärken.
Mechanische Schäden mit Rissbildung in der Beschichtung
Durch mechanische Einwirkung oder Reibung kann die Magnetbeschichtung abplatzen oder zerkratzt werden. An beschädigten Stellen oxidieren die freiliegenden Eisenoberflächen sofort. Die Korrosion breitet sich unter der Beschichtung aus und beeinträchtigt Festigkeit und Aussehen.
Rostbeständige Beschichtungen

Die Kernwerkstoffe von Neodym-Magneten oxidieren bei Kontakt mit feuchter oder salzhaltiger Luft leicht. Daher ist eine wirksame Schutzbeschichtung erforderlich. Sie bildet eine Barriere zwischen dem Magneten und seiner Umgebung und verhindert, dass Sauerstoff und Wasser mit dem Magneten in Berührung kommen.
Ni-Cu-Ni-Beschichtung (Nickel)
Eine dreilagige Beschichtung aus Nickel, Kupfer und Nickel ist bei Neodym-Magneten am weitesten verbreitet. Sie bietet eine glänzende Metalloberfläche, gute Korrosionsbeständigkeit und mittlere Härte. Wenn die Beschichtung jedoch reißt oder abplatzt, kann Feuchtigkeit in den Kern eindringen und Rostbildung einsetzen.
Zinkbeschichtung
Eine Zinkbeschichtung bietet eine mattgraue Oberfläche mit ausgezeichneter Haftung, jedoch geringer Korrosionsbeständigkeit. Sie ist kostengünstig und für trockene Innenbereiche geeignet. In feuchten Umgebungen oder Meeresumgebungen kann sie schneller korrodieren als eine Nickelbeschichtung.
Epoxidbeschichtung (schwarz/farbig)
Epoxidbeschichtungen sind glatte, farbige und wasserdichte Schichten, die den Magneten umgeben. Sie bieten eine ausgezeichnete Beständigkeit gegenüber Chemikalien und eine hohe Haltbarkeit. Epoxidbeschichtungen können bei Nässe oder im Außenbereich eingesetzt werden, können jedoch bei grober Handhabung verkratzen.
Parylene-/PTFE-/Polymerverkapselung
Diese Beschichtungen bilden eine dünne, glatte Polymerschicht, die chemisch inert und äußerst feuchtigkeitsbeständig ist. Parylen und PTFE werden in medizinischen, maritimen oder lebensmitteltechnischen Anwendungen eingesetzt, bei denen eine vollständige Abschirmung gegen Luft und Wasser wichtig ist.
Edelstahlhülle und vollständig abgedichtete Gehäuse
Das Ummanteln von Magneten mit Edelstahl oder das Einsetzen in abgedichtete Gehäuse hält Wasser und Luft fern und verhindert Rost sowie Beschädigungen vollständig.
Wie lässt sich Rost im Einsatz verhindern?

Um Neodym-Magnete korrosionsfrei zu erhalten, sind eine sachgerechte Handhabung und Lagerung von großer Bedeutung. Die Wahl der geeigneten Beschichtung und der Schutz vor Feuchtigkeit gewährleisten eine langfristige Funktion des Bauteils unter anspruchsvollen Bedingungen.
Die passende Beschichtung für die Umgebung wählen (Innenbereich, Außenbereich, maritime Umgebung, Lebensmittelbereich)
Wählen Sie eine Beschichtung, die zu den Einsatzbedingungen passt. Nickel wird im Innenbereich eingesetzt, Epoxid oder PTFE in nassen und feuchten Umgebungen, Edelstahl in maritimen oder lebensmitteltechnischen Anwendungen.
Magnete für Nassanwendungen vollständig kapseln und vergießen
Bei Einsatz unter feuchten oder untergetauchten Bedingungen können Magnete in Epoxidharz, Gummi oder Kunststoffabdeckungen abgedichtet werden, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Dies trägt dazu bei, Oxidation zu verhindern, die Lebensdauer zu verlängern und die magnetische Leistung aufrechtzuerhalten.
Kantenausbrüche vermeiden: mit Abstandhaltern und weichen Kontaktflächen handhaben
Kanten sind besonders anfällig für Beschädigungen der Beschichtung. Verwenden Sie Abstandhalter, Schaumstoffabdeckungen oder weiche Einlagen, um Stöße und Kratzer zu vermeiden, die das Metall freilegen und die Rostbildung beschleunigen.
Trockene, belüftete Lagerung mit Trockenmitteln; Beutelverpackung und VCI-Optionen
Lagern Sie die Magnete an einem Ort mit niedriger Luftfeuchtigkeit und guter Belüftung. Verwenden Sie Silicagel, VCI-Beutel oder versiegelte Beutel, um Korrosion während des Transports oder der Langzeitlagerung durch Aufnahme von Feuchtigkeit zu verhindern.
Methoden zur Abdichtung und Kapselung
Neodym-Magnete können Feuchtigkeit nur standhalten, wenn sie abgedichtet sind. Eine Abdichtung bildet eine äußere Beschichtung, die Feuchtigkeit, Kondensation und den Kontakt mit Chemikalien verhindert und so langfristige Stabilität und magnetische Leistung gewährleistet.
Ummantelung mit PVC/TPU und Kunststoffhülsen
Das Ummanteln von Neodym-Magneten mit PVC oder TPU fügt eine wasserdichte und flexible Schicht hinzu. Diese Kunststoffbeschichtungen halten Feuchtigkeit fern, schützen vor Kratzern und machen Magnete bei der Handhabung unter nassen Bedingungen oder im Außenbereich sicherer.
Epoxidharzverguss und Zweikomponentenharze
Epoxidharz wird verwendet, um die Magnete in einer wasserdichten, harten Schale zu kapseln. Zweikomponenten-Harzsysteme schließen Risse und Randbereiche ab und eignen sich dadurch für Sensoren, Unterwassermotoren und Anlagen, die ständig mit Feuchtigkeit in Kontakt stehen.
Gummi-/Silikonüberzüge gegen Stöße und Feuchtigkeit
Gummi- oder Silikonschichten dämpfen Stöße und halten Feuchtigkeit ab. Sie sind flexibel und schützen den Magneten; bei Vibrationen, Bewegungen oder feuchten Bedingungen mit hoher Reibung können sie dessen Lebensdauer verlängern.
Korrosionsprüfungen und Normen
Korrosionsprüfungen stellen sicher, dass Neodym-Magnete widrigen oder feuchten Bedingungen standhalten, ohne geschwächt zu werden. Sie unterstützen Hersteller bei der Überprüfung der Wirksamkeit von Beschichtungen und Schutzschichten.
Grundlagen zu Salzsprühnebel/Salznebel (ASTM B117)
Beim ATM B117-Test werden beschichtete Magnete über mehrere hundert Stunden einem kontrollierten Salzsprühnebel ausgesetzt. Dieser beschleunigte Test bildet eine jahrelange Belastung durch salzhaltige Luft oder maritime Bedingungen nach und unterstützt die Prüfung der Wirksamkeit von Beschichtungen wie Nickel oder Epoxid gegen Korrosionsschäden.
Feuchte- und zyklische Korrosionsprüfungen (Übersicht)
Bei Feuchte- und zyklischen Korrosionsprüfungen wechseln sich nasse, trockene und warme Bedingungen ab, um reale Wetterwechsel zu simulieren. Durch solche Zyklen lassen sich Mikrorisse oder eine Schwächung der Beschichtung erkennen, bevor sie im Einsatz auftreten. Die Analyse der Leistungsfähigkeit ist dadurch aussagekräftiger als bei einfachen statischen Prüfungen.

Wartung und Fehlerbehebung
Regelmäßige Reinigung stellt sicher, dass die Magnete nicht rosten und länger halten. Korrosion an der Oberfläche kann durch rechtzeitige Inspektion und Trocknung überprüft werden, bevor sie sich ausbreitet und die Magnetleistung beeinträchtigt.
Frühe Anzeichen eines Beschichtungsversagens und was ist zu tun?
Ein Beschichtungsversagen zeigt sich durch Verfärbungen, Blasenbildung oder matte Stellen. Bei solchen Anzeichen die Oberfläche mit einem sauberen Tuch abwischen, den Magneten trocken halten und sofort einen Korrosionsinhibitor/ein Dichtmittel auftragen, um Oxidation zu verhindern.
Reinigung, Trocknung und sichere Lagerung nach Feuchtigkeitseinwirkung
Bei Kontakt mit Wasser nasse Magnete mit einem weichen Tuch trockenwischen. An einem Ort mit geringer Luftfeuchtigkeit und guter Belüftung aufbewahren, idealerweise zusammen mit einem Trockenmittel oder in VCI-Beuteln. Nicht grob aufeinanderstapeln; dadurch kann die Beschichtung abplatzen oder Risse bekommen.
Fazit
Korrosion sollte verhindert werden, da dies die Magnetkraft, das Erscheinungsbild und die Lebensdauer von Neodym-Magneten schützt. Geeignete Beschichtungen, sorgfältige Handhabung und regelmäßige Wartung verhindern nicht nur Rost, sondern sorgen auch für eine gleichbleibende Leistung des Magneten in industriellen, maritimen und üblichen Anwendungen.
Häufig gestellte Fragen
Rosten Neodym-Magnete in Süß- bzw. Salzwasser?
Ja, beide können korrosiv wirken; Salzwasser führt jedoch aufgrund der Chloridionen zu einer schnelleren Rostbildung.
Sind “wasserdichte” Neodym-Magnete tatsächlich wasserdicht?
Nur bei vollständiger Verkapselung ist er wasserdicht; bei einer reinen Beschichtung ist er nicht vollständig wasserdicht.
Kann ein verrosteter Magnet wiederhergestellt werden?
Der Rost auf dem Metall kann abgewaschen werden; tiefer Rost macht den Magneten jedoch schwächer.
Rosten Keramik- oder Samarium-Kobalt-Magnete?
Nein, sie sind oxidationsbeständiger, da sie keine Rohstoffe aus Eisen enthalten.
Wie lange hält ein Neodym-Magnet?
Bei guter Beschichtung und Lagerung kann es Jahrzehnte dauern, bis seine Leistung nachlässt.
Welche Nachteile haben Neodym-Magnete?
Sie korrodieren leicht, sind spröde und verlieren bei hohen Temperaturen an Stärke.
Wie lässt sich ein Magnet vor Rost schützen?
Dicke Beschichtungen aufbringen, ihn trocken halten und an einem Ort aufbewahren, an dem er mit keinem Material in Berührung kommt.
Rostet ein Neodym-Magnet?
Ja, er rostet, sofern er keine geeignete Schutzbeschichtung hat oder nicht vollständig abgedichtet ist.
Ben — Osenc
Ben verfügt über mehr als 10 Jahre Erfahrung in der Permanentmagnetindustrie und arbeitet seit 2019 mit Osenc zusammen. Sein Schwerpunkt liegt auf kundenspezifischen NdFeB-Magneten, magnetischem Zubehör und Magnetbaugruppen.
Er unterstützt Kunden dabei, Anforderungen an Werkstoff, Beschichtung, Magnetisierung, Prüfung und Produktion eindeutig festzulegen. Dadurch werden Missverständnisse in der Kommunikation und unnötige Iterationen bei der Musterfertigung reduziert.


